Mediation Isabell Luetkehaus Berlin

Trennungsfamilien in der Corona Krise: Kontaktbeschränkung und Umgang

Wie gestalten Eltern den Umgang in Zeiten von Corona? Was ist noch erlaubt? Und wie sinnvoll sind Wechsel im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr? Welche Betreuungsmöglichkeiten sind zu bevorzugen?

Sonntag wurde bundesweit ein umfassendes Kontaktverbot beschlossen; danach dürfen, vereinfacht gesprochen, sich nur noch Angehörige zusammenfinden, die gemeinsam in einem Haushalt leben.

Was bedeutet dies für getrennte Familien, bei denen die Kinder nicht nur in einem Haushalt leben sondern von einem zum anderen wechseln bzw. den anderen besuchen? Was geschieht, wenn die Kinder übers Wochenende beim einen Elternteil waren und nun wieder zum anderen zurück gehen sollten?

Rechtlich ist dies weiterhin möglich, wie der Beschluss des Senats deutlich macht, da Besuche zur „Wahrnehmung des Sorgerechts im jeweiligen privaten Bereich“ ausdrücklich erlaubt sind. Vermutlich ist damit auch gemeint, dass Umgang wahrgenommen werden kann, unabhängig vom Sorgerecht. Also dürfte Besuchen und gemeinsamen Spaziergängen mit dem anderen Elternteil, nichts im Wege stehen. Und es müssten auch Wechsel von einem Elternteil zum anderen weiterhin möglich sein, im Rahmen des Residenzmodells oder des Wechselmodells, also die Rückkehr nach dem Wochenend-Aufenthalt oder der wöchentliche Wechsel vom einem Elternteil zum gleichberechtigt betreuenden anderen Elternteil.

Gleichzeitig sollten Eltern überlegen, ob ein derzeitiger Wechsel sinnvoll ist, unter Abwägung der Ansteckungsgefahr mit dem Wunsch nach Kontakt sowie der Übernahme von Elternverantwortung. Ist das Kind beispielsweise in der Kita-Notbetreuung untergebracht, weil ein oder beide Eltern systemrelevanten Aufgaben nachgehen oder ist ein oder sind beide Eltern beruflich weiterhin in ständigem Kontakt mit anderen Menschen, z.B. als Ärztin oder Kassierer, dann könnte ein Kind, das selbst keine Symptome zeigt, den Virus von einer Familie in die andere tragen. Bei Patchwork-Familien sogar noch in eine weitere, so dass es größere Kreise ziehen könnte.

Ein wichtiger Faktor kann daher die Gewährleistung einer sicheren Betreuung sein: müsste ein Kind in die Kita-Notbetreuung gebracht werden, wenn es bei dem Elternteil bleibt, bei dem es gerade ist, weil dieser nicht im Home Office arbeiten kann, dann könnte ein Wechsel zum anderen Elternteil sinnvoll sein. Ansonsten könnten zunächst Möglichkeiten des virtuellen Kontakts genutzt werden und die Wechsel seltener stattfinden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, und um abzuwarten, wie sich die Corona Krise die nächsten Wochen entwickeln. Und doch ist für Kinder auch der persönliche Kontakt, die Berührung und das tatsächliche Miteinander im Alltag in einem Haushalt sehr wichtig – hier gut abzuwägen ist nun eine Aufgabe von Trennungseltern.

War das Kind beispielsweise übers Wochenende beim Vater und arbeitet dieser im Home Office und könnte eine Kinderbetreuung auch ab Montag gut leisten, dann bestünde die Möglichkeit, dass einer Ferienregelung ähnlich das Kind noch einige Tage bei ihm bleibt, passend je nach Kindesalter und sämtlicher Begleitumstände. Umgekehrt kann es sinnvoll sein, dass das Kind nicht zu einem Elternteil wechselt, der eigentlich dran wäre, aber arbeiten gehen muss und bei ihm als Betreuung nur die Not-Kita in Frage käme. Dann kann es sinnvoller sein, der andere Elternteil betreut das Kind noch einige Zeit weiter und Umgangskontakte werden individuell besprochen.

Diese besondere Situation der Corona Krise kann Sonderregelungen und neue Formen der Eltern-Kooperation verlangen, hierbei sollte neben dem Wunsch nach Kontakt, die Ansteckungsgefahr und die Möglichkeiten der Betreuung miteinander abgewogen werden.